Darum geht’s
❄️ Wintereinbruch in Norddeutschland: Schnee, Sturm und Verwehungen
🗑️ Chaos bei der Müllabfuhr: Nicht geleerte Tonnen und fehlende Kommunikation
🚫 Verkehrsstillstand: Kompletter Ausfall von Bus, Bahn und Schule in Niedersachsen
📉 Mangelnde Resilienz: Kritik an der schnellen Einstellung staatlicher Dienstleistungen
🤔 Systemkritik: Warum öffentliche Versorger anders agieren als die Privatwirtschaft
🛑 Sicherheitsdenken vs. Service: Die Balance zwischen Risikovermeidung und Pflichterfüllung
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Vollständiges Transkript
Wir haben aktuell eine ausgeprägte Wetterlage: Relativ viel Schnee und dazu ein bisschen Sturm, was zu Schneeverwehungen führt. Für norddeutsche Verhältnisse ist das wirklich eine ganze Menge Schnee. Es ist zwar nicht katastrophal, aber es gibt deutliche Einschränkungen, insbesondere was den Verkehr betrifft. Dafür habe ich auch weitestgehend Verständnis; man muss keine unnötigen Gefahren eingehen.
Ein bisschen an seine Grenzen stößt mein Verständnis allerdings bei dem, was hier momentan mit der Müllabfuhr passiert. Heute waren zwei der vier Tonnen dran, die offensichtlich beide nicht abgeholt werden, obwohl sie überall an der Straße stehen. Gestern war bereits Altpapier dran – die nächste Tonne, die an der Straße stand und nicht geleert wurde. Gestern lag aber noch gar nicht wirklich viel Schnee. Zumindest hier in der Straße war alles fein geräumt und gestreut. Man hätte das durchaus machen können.
Offensichtlich haben sie es sich überhaupt nicht angesehen, sondern pauschal beschlossen: „Die Seitenstraßen machen wir nicht, wir fahren nur die Hauptstraßen ab.“ Hätte man das vorher kommuniziert, wäre ich zum Beispiel mit der Altpapiertonne hoch an den Deich gefahren, damit sie dort abgeholt wird. Die Tonne ist randvoll – wir hatten Weihnachten, da fällt einfach mehr Papiermüll an – und es ist bei weitem noch nicht alles drin, was ich gerne entsorgt hätte. Gleichzeitig ging die Ansage raus, dass keine Sonderfahrten gemacht werden. Das heißt, der Müll bleibt jetzt vier Wochen liegen. Das finde ich schon fast frech. Es ist alles andere als optimal, so etwas gar nicht zu kommunizieren.
Morgen folgt dann der nächste Termin, womit wir das Quartett perfekt machen: Dann stehen pro Haushalt vier Tonnen an der Straße – und das wahrscheinlich wochenlang. Ich habe Verständnis dafür, dass sie an einem Tag wie heute die Seitenstraßen meiden. Das ist absolut legitim. Aber das Vorgehen gestern war grenzwertig bis suboptimal. Es wird im Prinzip gar nicht kommuniziert, sondern hinterher nur lapidar mitgeteilt: „Was nicht abgeholt wurde, bleibt stehen.“ Das ist für mich keine Kommunikation.
Dazu kommt die Situation im Verkehr: Der komplette Bahn- und Busverkehr ist ausgefallen, und in ganz Niedersachsen sind die Schulen geschlossen. Ich glaube, manches davon ist gerechtfertigt. Ob man an einem Freitag in der ersten Woche des neuen Jahres die Leute unbedingt zur Schule holen muss, wenn es stellenweise gefährlich glatt ist, sei dahingestellt. Es ist keine Situation, in der man sich unnötig im Verkehr bewegen möchte. Aber es hat schon den Anschein, als ließen wir einfach alles zusammenbrechen, nur wegen ein bisschen mehr Schnee.
Wenn man die Verantwortung für tausende Reisende trägt, verstehe ich, dass man sagt: „Das ist uns zu heikel.“ Aber ich frage mich dann immer: Was machen wir eigentlich, wenn wir mal eine richtige Katastrophensituation haben? Das hier ist keine Katastrophe, es ist nur nervig viel Schnee. Ich habe heute selbst anderthalb Stunden Schnee geschippt – während es weiter geschneit hat, da kommt man sich besonders clever vor. Aber wir reißen die Hufe hoch, sobald es ein kleines bisschen mehr schneit als sonst.
Es ist erstaunlich, wie unresilient wir geworden sind. In meiner Erinnerung – und die reicht locker 40 Jahre zurück – ist es noch nie vorgekommen, dass die Müllabfuhr Straßen nicht angefahren hat, nur weil Schnee lag. Wir hatten Anfang der 90er Jahre deutlich mehr Schnee und Verwehungen, aber selbst da ist die Müllabfuhr nicht ausgefallen. Was da heute falsch läuft, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es stimmt mich nachdenklich.
Man gewinnt den Eindruck, dass alles, was staatlich oder staatlich beauftragt ist, gar nicht den Ehrgeiz hat zu liefern, weil sie es nicht müssen. Das Geld kommt ja trotzdem. Nur weil sie die Seitenstraßen nicht abgefahren sind, haben sie nicht weniger verdient. Es fehlt der Anreiz, das zu tun, womit man beauftragt ist, und man zieht sich relativ schnell aus der Affäre. Ein echtes Unternehmen könnte so etwas niemals machen. Beim Staat ist das nicht so schlimm, denn wir müssen alle Kunden bei der Müllabfuhr sein; da führt kein Weg dran vorbei.
Es wird heutzutage sehr schnell diese „Kein-Risiko-Strategie“ gefahren. Es wird alles relativ hemdsärmelig eingestellt – Dinge, die in der freien Wirtschaft nicht möglich wären. Es drängt sich der Verdacht auf, dass man das macht, weil man es kann und dabei keinerlei finanzielle Risiken eingeht.
Der Gedankengang ist kurz: „Lassen wir es doch, ist ja das Beste für alle.“ Außer für die, die dringend mit der Bahn oder dem Bus fahren müssten und jetzt einen Urlaubstag nehmen müssen, oder schlimmer noch, irgendwo stranden. Von den Müllbergen, die sich jetzt im Landkreis türmen, ganz zu schweigen. Zwar gibt es beim Altpapier jetzt eine „großzügige“ Sonderregelung, dass man Kartons daneben stellen darf, aber das wird die Touren beim nächsten Mal nur noch mehr verlängern.
Vielleicht hätte man doch schauen sollen, welche Straßen befahrbar sind, statt pauschal gar keine Nebenstraßen anzufahren. Das wirkt alles sehr hemdsärmelig. Ich glaube auch nicht, dass die Fahrer das entschieden haben, sondern dass diese Ansage als strikte Vorgabe von oben kam.
Das war mein Bericht zur aktuellen „Katastrophenlage“ aus den betroffenen Gebieten.





