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FB366 GrapheneOS
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-17:09

FB366 GrapheneOS

Über das googlefreie Android

Darum geht’s

  • 📱 Nerd-Projekt GrapheneOS: Ein Erfahrungsbericht zur Installation und Nutzung des alternativen Android-Betriebssystems.

  • 🔒 Privatsphäre & Sicherheit: Unabhängigkeit von Google-Diensten, Tracking-Schutz und Werbefreiheit als Hauptmotivation.

  • 🛠️ Einfache Installation: Nutzung des Web-Installers auf Google Pixel-Smartphones (Windows vs. Mac).

  • 💾 App-Ökosystem: Nutzung von Google Play Services (Sandboxed), Aurora Store und F-Droid im Alltag.

  • 📸 Keine Hardware-Nachteile: Volle Unterstützung der originalen Google Pixel Kamera-App für optimale Fotoqualität.

  • Fazit: Ein absolut alltagstaugliches, sicheres System, das auch für Einsteiger machbar ist.


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Vollständiges Transkript

Hin und wieder überkommt es mich und ich muss ein kleines Nerd-Projekt starten. Meistens liegt das daran, dass ich davon gehört habe und es irgendwie interessant fand. Fast immer geht es nur darum, es einfach mal gemacht zu haben – gar nicht unbedingt, um hinterher etwas zu besitzen, das ich ernsthaft benutze. So war es auch gestern. Da habe ich nämlich ein altes Handy mit GrapheneOS ausgestattet.

Es hatte gar keinen rein praktischen Grund, sondern ich wollte es einfach ausprobieren. Ich wollte sehen: Wie geht das überhaupt? Wie gut funktioniert es? Was für ein System hat man am Ende und wie kompliziert ist es, dieses System zu einem brauchbaren Betriebssystem für ein Smartphone weiterzuentwickeln? Die große Frage ist ja immer: Wie schwer ist es, die nötigen Apps einzurichten und wie gut laufen diese, wenn das System komplett ohne Google daherkommt? Die Älteren werden sich erinnern, vor allen Dingen jene, die mal ein Huawei-Handy hatten: Als Google diese nicht mehr beliefern durfte, wurde es schwierig.

Diese GrapheneOS-Geschichte gibt es jetzt schon eine Weile und sie ist meiner Meinung nach relativ ausgereift. Warum würde man das wollen? Nun, auch wenn man ein Freund diverser Google-Dienste ist, weiß man um die Risiken und Nebenwirkungen. Es kann sehr gute Gründe geben, warum man vielleicht nicht unbedingt alle möglichen Google-Dienste auf seinem Endgerät haben möchte. Spätestens, wenn man zufällig von irgendwelchen Behörden gesucht wird, will man das auf gar keinen Fall, da diese mehr oder weniger direkten Einblick in alles nehmen können, was Google speichert. Ein normales Android-System oder auch ein Apple-System wären da nur unwesentlich besser.

Ein weiterer Grund ist die Werbung. Diese “Google-Aussperrerei” dient ja nicht primär der Vermeidung von Strafverfolgung, sondern oft geht es darum, dass man nicht ständig mit Werbung versorgt werden möchte. Man kann auch einfach den Wunsch haben, unabhängig von Konzernentscheidungen zu sein und völlig freie Software zu nutzen. Auch wenn Google den Kern von Android nach wie vor entwickelt, ist GrapheneOS so “Google-frei” wie es eben geht. Man erhält ein wirklich topaktuelles Smartphone-Betriebssystem, das genauso modern ist wie ein echtes Android von Samsung oder Google selbst – nur eben ohne proprietären Konzern-Code, sondern rein Open Source.

Der erste Haken an der Sache: Es funktioniert nur mit Pixel-Smartphones. Und auch da muss es ein halbwegs aktuelles Modell sein. Ich hatte noch Geräte herumliegen, die aktuell genug waren, um es auszuprobieren. Das Vergnügen ging schon bei der Einrichtung los. Ich habe vor vielen Jahren mal CyanogenMod auf ein altes Samsung gepackt. Das war damals relativ hakelig: Man musste viel hin und her klicken, mit obskuren Anwendungen arbeiten und meterlange Anleitungen befolgen. Hier war es ganz anders.

Das Faszinierende ist, wie einfach es geht. Man geht einfach auf die Seite von GrapheneOS und nutzt den Web-Installer. Es ist eine Seite mit drei oder vier Buttons und kurzen Erklärungen. Man schließt das Handy an den Rechner an – was am Mac bei mir leider nicht funktionierte, aber am Windows-Laptop sofort klappte – und klickt sich durch die Anleitung. Das Herunterladen dauert vielleicht eine Weile, aber im Wesentlichen klickt man nur Bestätigungen. Am Ende installiert sich das System von selbst und das Handy startet neu.

Wenn man damit fertig ist, hat man ein Android-Smartphone, das wie fabrikneu wirkt, aber keinerlei Google-Dienste enthält. Der Startbildschirm kommt erst mal erschreckend nüchtern daher – einfach nur schwarz mit einer Handvoll System-Apps (Telefon, Nachrichten, Dateimanager). Es gibt jedoch einen Button namens “Apps”. Darüber kann man relativ simpel den normalen Play Store installieren oder andere Optionen wählen, um das Gerät wieder mit Google-Diensten zu versorgen, falls man das möchte. Denn die Fülle der Apps liegt nun mal im Google Play Store.

Es gibt Workarounds wie den Aurora Store, der den Google Play Store anonymisiert nutzt. Es kommt also darauf an, wie hoch das eigene Sicherheitsbedürfnis ist. Im Endeffekt installiert man einmal die Google Play Services und den Store (in einer Sandbox) und hat wieder Zugriff auf alle gekauften Apps. Mein Lieblings-Store ist nach wie vor F-Droid, in dem sich faszinierende Open-Source-Dinge finden lassen.

Mein Ziel war es, das Gerät so einzurichten, dass man es 1:1 nutzen kann. Das hat am Ende auch funktioniert. Apps für Kalender, E-Mail und Podcasts waren schnell eingerichtet und liefen problemlos. Was ich nicht ausprobiert habe, ist Banking, da die Einrichtung oft umständlich ist. Ich gehe aber davon aus, dass es funktioniert, da GrapheneOS hier einen guten Ruf hat. Das ganze Projekt hat vielleicht zwei Stunden gedauert – inklusive der Zeit, in der ich verschiedene Kabel am Mac ausprobiert habe.

Das System lässt sich sofort als Hauptgerät nutzen. Ein riesiger Vorteil gegenüber anderen Custom-ROMs: Man kann die originale Pixel Kamera-App installieren. Das Problem bei Pixel-Handys ist oft, dass die Hardware der Kameras gar nicht so außergewöhnlich ist, sondern die Magie im Wesentlichen aus der Software kommt. Wenn man das Betriebssystem austauscht, verliert man bei anderen Herstellern oft diese Qualität. Bei GrapheneOS kann man die Google-Software einfach nachrüsten und nutzt so die volle Fotoqualität inklusive der Zusammenarbeit mehrerer Linsen.

Die Installation war wirklich “idiotensicher”, auch wenn sie auf Englisch ist. Wer technische Begriffe grob versteht oder einen Übersetzer nutzt, bekommt das hin. Ich bin beeindruckt und finde das Konzept cool. Ich würde sogar überlegen, mein Haupthandy damit auszustatten, wenn es offiziell keine Updates mehr von Google erhält. Im Moment habe ich zwar keinen erhöhten Sicherheitsbedarf, aber sollte sich das ändern, wüsste ich jetzt, wie ich so sicher wie nie kommunizieren könnte – und das mit relativ simpler Technik.

Fazit: GrapheneOS ist eine coole Geschichte und eine absolute Empfehlung. Wer sich sagt: “Ich möchte weg von den großen US-Plattformen” oder einfach mal schauen will, wie es ohne Google geht, für den ist das eine hervorragende Möglichkeit. Es ist kein Hexenwerk und die offizielle Webseite liefert alle nötigen Informationen.

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